Täglich zum Frühstück trinke ich eine Tasse Kaffee um wach zu werden und meist bleibt dies auch nicht die einzige am Tag... So ist es nun naheliegend, dass ich mir in diesem Post Gedanken zur Reise des Kaffees mache.
Der Kaffe ist nach dem Öl das zweitwichtigste Handelsgut der Welt, ca. 25 Mio. Menschen sind an diesem Markt tätig. Dazu kommt, dass der globale Wettbewerb, Ernteausfälle, Rohstoffpreise das ganze Geschäft noch härter machen. Was weiss also ein Kaffeegeniesser wie ich von den Mühen, unter denen ein Kaffeebauer in Brasilien die Bohnen erntet?
Lucia beispielsweise ist eine der Tagelöhnerinnen auf einer Kaffeeplantage in Brasilien. Fragt man sie, ob der Lohn gerecht sei, antwort diese: „Wir leben von ihm. Er muss gerecht sein.“
Lucia arbeitet für den alten Getulio. Der Chef der kleinen Plantage ist 73 Jahre alt und hat die meiste Zeit des Lebens selbst dort gearbeitet, nur so konnte er seine Familie ernähren. Die Existenz von Getulios Familie hängt ab vom aktuellen Kaffeepreis in einem leider sehr undurchschaubaren Markt. „Die größten Schwierigkeiten macht uns das Wetter“, sagt Gétulios Sohn Olavo. „Eine Trockenheit, ein Frost kann die Ernte beschädigen. Auch die Preiskrise kann ziemlich gefährlich werden. Das Gefährlichste ist, wenn der Preis unten ist und wir das Produkt trotzdem verkaufen müssen.“
An der Börse von Sao Paulo bestimmen Angebot und Nachfrage sowie Warentermine, die darüber entscheiden, ob ein Bauer hungert oder nicht. „Es ist ein aggressiver Markt“ meint ein Sprecher dazu, während am Hafen Containerschiffe mit Tausenden von Kaffeebohnen gefüllt werden. Ihr Ziel ist Europa, wo sie später zuerst geprüft, erst dann geröstet, verpackt und in die Supermärkte gebracht werden.
Rückblickend betrachtet, sind nun folgende Arbeitskräfte beteiligt bis der Kaffee bei uns im Regal steht: Kaffeepflanzer und –ernter, Kaffeesortierer, Lastwagenchauffeure, Kapitäne, Prüfer, Röstereiarbeiter, Fabrikarbeiter, Verkäufer/innen..
Was mich nun nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, wie billig wir den Kaffee beziehen können, wenn man beachte, wie viel Arbeit dahinter verborgen ist. Zudem beschäftigt mich zu wissen, dass genau die Menschen in Südamerika, die am meisten abhängig vom Geld sind, wahrscheinlich am wenigsten von all diesem Geld abbekommen. Aus diesem Grund möchte ich darauf achten, mehr Fair Trade Produkte zu kaufen, damit ich die Gewissheit habe, dass alle Arbeitskräfte entsprechend entlöhnt werden.
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Wir haben uns zu einem ähnlichen Konsumgut Gedanken gemacht. Ich habe mir überlegt, wer wohl mit meinem täglich genossenen Grüntee zu tun hat. Grüntee kommt hauptsächlich aus China und Japan, also legt auch er einen enormen Weg zurück, bis er in meiner Tasse landet. Ich habe mir das vorhin ehrlich gesagt auch noch nie überlegt.... im Migros zahle ich für eine Packung von 25 Beuteln 1.50. Ist echt krass, wenn man sich das mal überlegt! Was nur rein der Transport von China in die Schweiz kostet.... beim Kaffee ist es ja genau dasselbe... etwas anderes, als auf fairtrade Produkte zu achten, ist mir ehrlich gesagt auch nicht in den Sinn gekommen.
AntwortenLöschenIch war im Herbst in Sri Lanka. Sri Lanka ist bekannt für seinen riesigen Teeplantagen auf denen (Ceylon Tea) aber praktisch nur Frauen arbeiten. Sie tragen die kiloschweren Säcke auf dem Kopf und nicht selten werden Sie von ihren (männlichen) Aufsehern geschlagen und misshandelt. Einmal sind wir durch die Plantagen spaziert und haben zuoberst auf dem Hügel hinter Büschen und Bäumen ein paar heruntergekommene Hütten, ohne Strom und fliessend Wasser entdeckt. Die Bewohner waren völlig begeistert uns (weisse) zu sehen und wirkten trotz ihrer grossen Armut zufrieden und wollten kein Geld annehmen. Ihr ganzer Stolz war eine junge Frau welche einige Brocken Englisch konnte. Ihnen würde Schulbildung am meisten helfen, der Unterdrückung und Misshandlung zu entkommen. Wir konnten dort vor Ort sehen, wie wichtig eine nachhaltige Produktion ist und ich werde mich in Zukunft dafür einsetzen, wenn es mir möglich ist...
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